Krankenkasse wechseln

Die Einsicht, dass der derzeitige Krankenversicherungstarif – ob Standard-Grundversicherung oder Alternativmodell – zu teuer ist, kann immer nur der erste Schritt sein. Um die Kosten zu senken, müssen Versicherungsnehmer natürlich auch den nächsten Schritt gehen und die Entscheidung für den Krankenkassenwechsel treffen. Wie Sie korrekt die Krankenkasse wechseln, erfahren Sie nun ausführlich und mit allen wichtigen Details und Fristen, die Sie als Versicherte/r unbedingt kennen sollten. Zwar ist der Wegfall des Versicherungsschutzes wegen der Vorgaben des Schweizer Gesetzgebers ausgeschlossen, dennoch können Verbraucher rund um den Wechsel einige Fehler begehen – vor allem das Versäumen einer fristgerechten Kündigung ist ein Ärgernis.

Welche Probleme können beim Wechseln der Krankenkasse auftreten?

Versäumte Fristen sind beim Wechselwunsch ein Ärgernis

Es kann passieren, dass Kunden nicht wie gewünscht die Krankenkasse wechseln, sondern vorerst weiterhin in der alten, vermeintlich teuren Krankenversicherung verweilen müssen. So kommt die nächste Gelegenheit zum kostensenkenden Wechsel schlimmstenfalls erst nach einigen Monaten. Deshalb gilt: Planen Sie direkt alles, wie es Ihnen unsere Experten erklären und empfehlen. Versicherte, die ihre Grundversicherung auf der einen und Zusatzversicherungen auf der anderen Seite kündigen möchten, sollten einige wichtige Schritte in der richtigen Reihenfolge in Angriff nehmen:

  • Schritt 1: Vergleich möglicher neuer Policen
  • Schritt 2: neue Versicherung auswählen
  • Schritt 3: neuen Tarif buchen
  • Schritt 4: endgültigen Wechsel durchführen

Nachweise zur Kündigung an den neuen Versicherer gehören zur Standardprozedur, wenn Sie Ihre Krankenkasse wechseln möchten. Dabei sollten Versicherte stets im Hinterkopf behalten, dass aufgrund des obligatorischen Versicherungsschutzes über eine Grundversicherung niemals Lücken auftreten können. Erst wenn die Bestätigung vom neuen Versicherer vorliegt, tritt die Kündigung des Altvertrags in Kraft. Trotz dieser Absicherung im Sinne der Versicherungsnehmer sind Bestimmungen und vor allem Vorgaben in Form der Kündigungsfristen einzuhalten.

Krankenkasse wechseln: Worauf Sie achten sollten und wie sie vorgehen, erfahren Sie auf dieser Seite.

Nicht gezahlte Prämien können beim Kündigen zum Problem werden

An dieser Stelle sei auf ein mögliches Problem für Kunden der Grundversicherung hingewiesen. Hier zeigt sich, warum Versicherte unbedingt auf rechtzeitige Zahlung der Versicherungsprämien achten sollten. Denn: Das Wechseln der Krankenkasse ist nur möglich, wenn alle Schulden beim Anbieter beglichen wurden. Wer mit Zahlungen im Rückstand ist, kann erst dann die Krankenkasse kündigen, wenn alle ausstehenden Beträge beim Versicherer eingegangen sind. Daraus folgt: Wer zu spät zahlt, muss  im Ernstfall bis zur nächstmöglichen Frist beim alten Versicherer bleiben. Erst nach vollständiger Begleichung der Schulden kann gewechselt werden. So ist sichergestellt, dass Versicherer nicht auf den Kosten sitzenbleiben.

Welche Fristen für die Grundversicherung gelten beim Wechseln der Krankenkasse?

Krankenkasse wechseln wegen Prämienerhöhung

Gerade wenn die derzeitige Krankenkasse eine Anhebung der Prämien fürs Folgejahr plant, ist ein Wechsel oftmals sinnvoll. Aufgrund der derzeitigen Preisentwicklung der Prämien geschieht dieses nahezu jährlich. Der Anbieter muss generell eine Meldung an die Kundschaft machen – dies muss spätestens zum Stichtag 31. Oktober erfolgt sein. Bei dieser üblichen Vorbereitung können Versicherer bis zum 30.11. des Kalenderjahrs die Police kündigen. Versicherungen müssen weiterhin im Anschreiben gezielt auf das Kündigungsrecht hinweisen. Der Termin zur Kündigung gilt übrigens nicht nur für die Standard-Grundversicherung, sondern gleichermassen für das Hausarztmodell, das Telmed-Modell oder ein anderes Alternativmodell der Grundversicherung. Auch die gewählte Franchise hat keinen Einfluss auf die Frist.

Wenn Sie zu denen Versicherten gehören, die wegen einer angekündigten Prämienerhöhung kündigen möchten, gilt: fragen Sie beim zuständigen Bundesamt für Gesundheit (BAG) zur Sicherheit erst einmal nach, ob die Prämien für die Zukunft eine Genehmigung erhalten haben. Es kommt immer wieder mal vor, dass Versicherer voreilig Schreiben zu Anpassungen an Kunden senden, obwohl die neuen Prämien noch gar nicht genehmigt worden sind. Dies aber muss zwingend der Fall sein, damit Erhöhungen und dementsprechend auch Kündigungen möglich sind!

Achtung

→ Kündigungen müssen vom Versicherer innerhalb der Kündigungsfrist bearbeitet werden können! Der postalische Eingang zum Termin reicht nicht.

Gemeint ist mit diesem voranstehenden Hinweis, dass Versicherer bzw. der Sachbearbeiter der Krankenkassen Kündigungen zu geltenden Geschäftszeiten erhalten haben müssen. Der fristgerechte Poststempel reicht hier nicht für eine fristgerechte Kündigung. Deshalb empfehlen Versicherungsprofis, Kündigungen möglichst zwei Wochen vor Fristende zu versenden.

Postalische Verzögerungen sollten stets mit eingeplant werden, wenn Sie die Krankenkasse wechseln möchten. Der Versand als Einschreiben mit Empfangsbestätigung ist ratsam, weil Versicherungsnehmer so einen Nachweis haben – sollten Probleme auftreten, sind Sie auf der sprichwörtlich sicheren Seite.

Krankenkasse wechseln – Frist beachten

Versicherte können auch zur Mitte des Jahres die Krankenkasse wechseln

Eine zweite Option für den Versicherungswechsel kann die Auflösung des Vertrags zur Jahresmitte, genauer per 1. Juli sein. Diese Vorgehensweise ist aber nur praktikabel, wenn Versicherte eine ordentliche Franchise mit dem Versicherer vereinbart haben.

Eine ordentliche Franchise liegt per Gesetz bei:

  • Erwachsenen in Höhe von 300 Franken
  • bei Kindern bei 0 Franken

Bedingung für die Kündigung zu diesem Termin ist weiterhin, dass Versicherte die freie Leistungserbringerwahl haben – bei der Standard-Grundversicherung ist dies gegeben. In diesem Fall können Sie die zum 30. Juni die Krankenkasse wechseln beziehungsweise kündigen. Die Kündigungsfrist liegt hier jedoch bei drei statt einem Monat wie bei der Kündigung zum Ende eines Jahres. Das Schreiben zum Kündigungswunsch muss somit spätestens zum 31. März beim Versicherer eingehen.

Bedingungen

Ausgeschlossen ist ein Wechsel zum besagten Termin, wenn eine höhere Franchise von 500 bis 2’500 Franken für Erwachsene oder von 100 bis 600 Franken für Kinder je Kalenderjahr vereinbart war. Vorausgesetzt wird dabei zudem die freie Wahl des Leistungserbringers. Damit sind die alternativen Modell vom Gesundheitsnetzwerk über das Hausarztmodell und die HMO-Variante bis zur telemedizinischen Beratung gemeint. Auch für Bonusversicherungen gilt diese Kündigungsoption generell nicht.

Einzige Ausnahme: Versicherer kündigen zur Jahresmitte einen Prämienaufschlag an. Dann nämlich können Sie den Vertrag bis Ende Mai kündigen und trotzdem die Krankenkasse wechseln – und zwar zum genannten Termin 01. Juli! Ansonsten können Sie eine neue Grundversicherung allgemein zum 30.12.2018 abschliessen.

Wie kann ich bei Bonusversicherungen die Krankenkasse wechseln?

Bonusversicherungen geniessen grundsätzlich eine Sonderstellung im Rahmen der Kündigung. Üblicherweise können Versicherungen dieser Art nur nach einer Laufzeit von Jahren gekündigt werden. Dabei wird ebenfalls zum Ende des Kalenderjahrs und unter Einhaltung einer Dreimonatsfrist der Vertrag aufgelöst. Aber: Zusatzversicherer können über die genauen Fristen selbst entscheiden. Die dreimonatige Frist ist bei vielen Anbietern dennoch Standard, sodass Versicherte zum Ende des Monats September die Krankenkasse wechseln können im Falle einer Zusatzversicherung. Schauen Sie genau hin, welche Rahmenbedingungen die Allgemeinen Versicherungsbedingungen Ihres Versicherers exakt nennen.

Eine einmonatige Frist sieht der Schweizer Gesetzgeber bei Ankündigung einer höheren Versicherungsprämie vor. Die fünfjährige Bindung an den Vertrag aber wird dennoch vorrangig bewertet.

Wichtig

→ Wird die Prämie für Zusatzversicherungen wegen eines Wechsels in eine höhere Altersgruppe angehoben, greift das gesonderte Kündigungsrecht trotzdem!

Worauf sollte ich achten, wenn ich die Krankenkasse wechseln möchte?

Anhebung der Prämie ist nicht erforderlich

Möchten Sie ohne Veränderungen der Prämien die Zusatzversicherung kündigen und die Krankenkasse wechseln und ist die Kündigung wegen Einhaltung der vertraglich vereinbarten Mindestlaufzeit zulässig, liegt die Kündigungsfrist bei sechs Wochen. Kunden, die Grund- und Zusatzversicherungen desselben Anbieters nutzen, sollten zur Sicherheit genau mitteilen, welche Police gekündigt werden soll. Sinnvoll ist ein Vermerk der Art „Hiermit kündige ich ausdrücklich nur die Grundversicherung, die Zusatzversicherung soll bestehen bleiben.“ Missverständnisse werden so vermieden.

Zusatzversicherungen im Fall der Fälle von Kündigungen ausschliessen

Wenn Sie die Grundversicherung kündigen, Ihre Zusatzversicherungen aber bei der alten Krankenkasse belassen wollen, müssen Sie dies mit aller Deutlichkeit mitteilen. Am besten bringen Sie im Kündigungsschreiben einen Vermerk an: «Diese Kündigung gilt nur für die Grundversicherung. Meine Zusatzversicherung bleibt bei Ihrer Krankenkasse.»

Unser Tipp

→ Zusatzversicherungen erst nach Eingang der Versicherungsbestätigung der neuen Krankenkasse kündigen! Ablehnungen sind sonst ein Risiko.

Unbedingt zu beachten ist bei der Zusage des zukünftigen Versicherers, dass es sich um eine „vorbehaltlose Aufnahmebestätigung“ und damit eine verbindliche Zusage handelt. Andernfalls empfiehlt es sich, vorerst nur die Grundversicherung zu wechseln. Ein befristeter oder unbefristeter Vorbehalt von Seiten der Versicherungsanbieter ist keine Seltenheit und rechtlich zulässig. Ein Grund für einen solchen Vorbehalt liegt zum Beispiel vor, wenn Versicherer Antragstellern ein „ungünstiges Versicherungsrisiko“ mit Blick auf die gesundheitliche Situation und Vorgeschichte attestieren. Leistungsverweigerungen sind und der Wegfall von Leistungen bei Behandlungen sind dann denkbar.

Gesundheitsfragen beim Wechsel der Zusatzversicherung korrekt beantworten

Insbesondere Versicherte mit Vorerkrankungen sollten im Versicherungsantrag nichts verschweigen und alle Fragen ehrlich und korrekt beantworten. Andernfalls können Versicherer auch im Nachhinein Vorbehalte anbringen. Zeigt sich sonst später, dass Fehler beim Ausfüllen begangen wurden oder unwahre bzw. unvollständige Aussagen getroffen wurde, sind Vorbehalte rückwirkend möglich. Auch können erbrachte Leistungen der Bonusversicherungen nachträglich aberkannt werden, was erhebliche finanzielle Folgen für Versicherungsnehmer haben kann. Nehmen Sie aus diesem Grund lieber eine anfängliche Ablehnung als Leistungsrückforderungen in Kauf!

Weitere Fragen und Antworten zum Wechsel der Krankenkasse

Darf ich die Krankenkasse trotz laufender Behandlungen wechseln?

Keine Sorge. Auch wenn Sie sich schon in einer laufenden ärztlichen Behandlung befinden, haben Sie das Recht, die Versicherung bis spätestens zum 30. November (oder im Einzelfall zur Jahresmitte) zu kündigen. Da Grundversicherer niemanden ablehnen dürfen, ist eine Kündigung sogar ohne eine Aufnahmebestätigung der ausgewählten neuen Krankenversicherung kein Problem. Der neue Anbieter muss hier die zukünftigen Behandlungskosten ohne Widerspruchsrecht übernehmen.

Warum sollte ich den Versicherungsvergleich vor Kündigung der Krankenkasse machen?

Das System der Grundversicherung ist so vielfältig, dass Versicherte nichts überstürzen sollten, wenn sie die Krankenkasse kündigen möchten. Waren Sie bisher Mitglied einer Standard-Grundversicherung? Dann lohnt sich die Analyse, ob eventuell der Wechsel in eines der alternativen Versicherungsmodelle lohnend ist. Dabei ist die Frage nach dauerhaftem Behandlungsbedarf ein zentraler Aspekt. Auch die Höhe der Wunsch-Franchise muss mit in den Vergleich einfliessen, da die Franchise Rabatte bei der Versicherungsprämie bringt, aber auch höhere Kosten für den Versicherungsnehmer nach sich ziehen kann. Eine Anpassung der Franchise nach oben oder unten kann ebenfalls unbürokratisch im Zuge eines Wechsels vorgenommen werden, wobei die möglichen Rabatte berücksichtigt werden müssen.

Tipp: Schauen Sie sich auch die Krankenkassen-Tests an.

Das Einsparpotenzial beim Wechseln kann, muss aber nicht erheblich sein. Anfragen zur individuellen Versicherungssituation können bequem online an Versicherer gerichtet werden. Ein Krankenkassenvergleich über Fachportale nennt objektiv die zu erwartenden Prämien und erlaubt so eine einfache Bewertung der Aussichten auf mehr oder weniger hohe Rabatte. Dabei nimmt gerade der Kanton, in dem Versicherte leben, eine wichtige Position im Vergleich auf. Die grossen Versicherer sind oft in der gesamten Schweiz tätig, kleinere Anbieter konzentrieren sich hingegen mitunter auf bestimmte Regionen des Landes.

Kann ich die Krankenkasse wechseln, wenn ein Umzug bevorsteht?

Eben dieser Punkt kann ebenfalls dazu führen, dass Versicherte die Krankenkasse wechseln können, ohne an die besagten Fristen gebunden zu sein. Umzüge innerhalb der Schweiz können, müssen aber kein Grund für die Kündigung sein. Sofern der bisherige Anbieter auch am neuen Wohnort Tarife offeriert, aber die Versicherungsprämie steigt, ist dies kein ausserordentlicher Kündigungsgrund. Anders verhält sich die Lage, wenn die Krankenkasse keine Angebote nach dem Umzug unterbreiten kann. Dann dürfen versicherte Personen durchaus ausserhalb der geltenden Fristen die Krankenkasse kündigen.

Welche Daten sind für’s Kündigungsschreiben wichtig?

Gerade die rechtlichen Vorgaben zur Form der Kündigung gilt es einzuhalten. Zwar gibt es an vielen Stellen des Internets Musterbriefe, die Sie verwenden können, um die Krankenkasse wechseln zu können. Prüfen Sie aber unbedingt, dass die Schreiben wirklich alle erforderlichen Details enthalten!

In das Anschreiben gehören diese Daten:

  • der vollständige Name der Versicherungsnehmer
  • die korrekte aktuelle Anschrift
  • das gewünschte Kündigungsdatum
  • die zu kündigenden Policen (nur Grundversicherungen oder auch Bonusversicherungen?)
  • die Kundennummer samt Policennummer
  • die handschriftliche Bestätigung des Kündigungswunsches

Nur wenn diese Informationen im Schreiben genannt werden, ist eine reibungslose Kündigung garantiert. Nochmals der Hinweis: Denken Sie an die Fristen für den Eingang Ihres Anschreibens, das möglichst als Einschreiben versendet werden sollte. Dies gilt auch dann, wenn Versicherer die Zustellung per Mail oder Fax zulassen! Haben Sie all diese Punkte berücksichtigt und hat der Vergleich der Angebote bestätigt, dass Sie die Krankenkasse wechseln sollten, gelingt der Umstieg zum Wunschanbieter und -versicherungsmodell schnell und völlig unproblematisch.